29. May 2017

Unfallversicherung

Im Jahr1885 wurde die Gesetzliche Unfallversicherung auf den Weg gebracht. Sie war einer der ersten Säulen der Sozialversicherung, die Deutschland Reichskanzler Otto von Bismarck zu verdanken hat. Grund für die Errichtung einer derartigen Versicherung war der Umstand, dass es im Zuge der zunehmenden Industriealisierung in Deutschland immer wieder zu schweren Arbeitsunfällen kam, welche die Arbeiter arbeitsunfähig machten für eine lange Zeit oder gar erwerbsunfähig. Diese Versicherung entschädigt die Arbeitnehmer unabhängig von der Verschuldensfrage. Zentrales Anliegen der Gesetzlichen Unfallversicherung war schon immer die Unfallverhütung, die Rehabilitation und die  Entschädigung von Arbeitnehmern, welche einen Arbeitsunfall erlitten haben. In der Gesetzlichen Unfallversicherung versichert sind Arbeitnehmer, Kinder, die Kindergärten und Schulen aufsuchen sowie Studenten und Auszubildende. Versichern müssen sich aber auch Landwirte und Pflegepersonen und Helfer bei Unglücksfällen sowie freiwillig Versicherte und Selbstständige sowie Freiberufler und Unternehmen.

Wann und was zahlt die Gesetzliche Unfallversicherung?

Die Gesetzliche Unfallversicherung zahlt, wenn es zu einem Arbeitsunfall kommt oder einer Berufskrankheit sowie bei Wegeunfällen. Die Gesetzliche Unfallversicherung trittdabei mit Leistungen ein wie dem Verletztengeld, der Verletztenrente, Abfindungszahlungen und Pflegegeld, aber auch Übergangsgeld und Hinterbliebenenrente. Darüber hinaus leistet die Gesetzliche Unfallversicherung auch Aufwendungen wie die Erstattung von Überführungskosten und Sterbegeld sowie Mehrleistungen für ehrenamtlich Tätige und zahlt auch Beihilfe. Darüber hinaus zahlt die Gesetzliche Unfallversicherung auch die Kosten für die Sach- bzw. Dienstleistungen, eine häusliche Krankenpflege und Teilhabeleistungen und Haushaltshilfen.

Der Träger der Gesetzlichen Unfallversicherung sind die verschiedenen branchenspezifischen Berufsgenossenschaften. Finanziert wird die Gesetzliche Unfallversicherung über die Beiträge der Mitgliedsunternehmen im Rahmen von einem nachträglichen Umlageverfahren. Die Höhe des Beitrags richtet sich nach den Gefahrenklassen, in die die Mitarbeiter der Unternehmen eingeordnet werden. Die landwirtschaftliche Unfallversicherung finanziert sich aus Beiträgen, die nach der Größe der bewirtschafteten Fläche und der Anzahl der gehaltenen Tiere erhoben werden.

Die Private Unfallversicherung

Da die Gesetzliche Unfallversicherung nur Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten und Wegeunfälle sowie deren Folgen abdeckt, sehen sehr viele Verbraucher die Notwendigkeit, dass sie sich auch im Freizeit- bzw. Hausbereich entsprechend mit einer derartigen Versicherung absichern. Die private Unfallversicherung kann bei verschiedenen Versicherungsgesellschaften abgeschlossen werden. Wie auch bei der Gesetzlichen Unfallversicherung tritt die Leistung ein, wenn sich ein Unfallereignis ergeben hat. Ein Unfall liegt dann vor, wenn die versicherte Person unfreiwillig eine Gesundheitsschädigung erleidet. Besonders für Hausfrauen kann eine derartige Versicherung sinnvoll sein, weil im häuslichen Umfeld die meisten Unfälle geschehen.

Leistungen der privaten Unfallversicherung

Zu der Kernleistung der privaten Unfallversicherung gehört eine finanzielle Absicherung im Falle von einer dauernden Beeinträchtigung der körperlichen bzw. /und geistigen Leistungsfähigkeit, die als Unfallfolge anzusehen ist. Die Leistung erfolgt im Rahmen einer einmaligen Kapitalzahlung oder wahlweise auch als lebenslange Rente. Die Höhe der Leistung kann dadurch beeinflusst werden, dass durch eine Progressionsvereinbarungen die Kapitalzahlung bzw. die Rentenzahlung ansteigen. Die Höhe der Leistung durch die private Unfallversicherung richtet sich allerdings nach der vertraglich vereinbarten Gliedertaxe. Daneben können natürlich auch noch weitere Unfallfolgen in die private Unfallversicherung aufgenommen werden. Ein fester Kapitalbetrag kommt zum Beispiel auch bei Tod des Versicherten durch einen Unfall zur Auszahlung an die Angehörigen. Diese Todesfallleistung wird auch dann fällig, wenn die versicherte Person binnen eines Jahres nach dem Unfallereignis an den Unfallfolgen stirbt. Die Vereinbarung über eine Todesfallleistung zusätzlich zu der Invaliditätsleistung ist deshalb sinnvoll, da sonst bei einem unfallbedingtem Ableben des Versicherten trotz der schweren Verletzungen kein Leistungsanspruch entstehen würde. Zu den weiteren Leistungen der privaten Unfallversicherung gehören unter anderem auch das Krankenhaustagegeld und Unfall-Tagegeld. Und auch die Kosten für kosmetische Operationen können durch diese Versicherungen übernommen werden, wenn dies vereinbart wurde. Zu den weiteren Leistungen, die die private Unfallversicherung ebenfalls beinhaltet gehört zudem auch die Erstattung unfallbedingter Bergungskosten, anteilig zumindest. Es handelt sich in diesem Fall um den Teil der Kosten, die von den Krankenkassen nicht übernommen werden. Besonders für ältere Menschen interessant sind Leistungen der privaten Unfallversicherung, wie Hausbesorgungen, Hausputz oder Essen auf Rädern.

Wer die Leistungen der privaten Unfallversicherung bis zum Ablauf nicht in Anspruch nimmt, der kann auch davon profitieren. Und zwar wenn er beim Vertragsabschluss darauf geachtet hat, dass er eine Unfallversicherung mit Beitragsrückgewähr abgeschlossen hat. Hierbei handelt es sich um eine besondere Form der Lebensversicherung bzw. um eine Kombination aus Unfall- und Lebensversicherung. Nachteilig ist, dass bei der privaten Unfallversicherung mit Beitragsrückgewähr wesentlich höhere Beiträge fällig werden. Grund dafür ist, dass die reine Unfallkomponente auf der einen Seite und die Lebensversicherungskomponente auf der anderen Seite bedient werden muss.

Wann versichern?

Nicht nur Hausfrauen sind beim täglichen Hausputz und anderen Hausarbeiten stark gefährdet einen Unfall zu erleiden. Auch jeder, der einen Sport ausübt, kann möglicherweise einen so schweren Unfall erleiden in seiner Freizeit, dass er für den Rest seines Lebens nicht mehr arbeiten gehen kann. Für einen Familienvater und Alleinverdiener ist das besonders bitter und für die Familie eine finanzielle Katastrophe. Und auch Kinder, die ein recht gefährliches Hobby ausüben, und sei es nur Fußball spielen oder Inliner fahren, laufen Gefahr einen schweren Unfall zu haben, so dass sie für lange Zeit krank sind bzw. behindert für den Rest ihres Lebens. Körperliche Schädigungen durch einen Schlaganfall, den man in der Freizeit erleidet, sind allerdings über die private Unfallversicherung nicht gedeckt, sei denn der Betroffen verletzt sich dabei und muss sich zum Beispiel einer kosmetischen Behandlung unterziehen. Das heißt aber der Schaden, der durch die private Unfallversicherung übernommen wird, muss schon der Definition nach den versicherungsrechtlichen Vorgaben entsprechen. Im Fall von einem Arbeitsunfall tritt die private Unfallversicherung ebenfalls ein. Das heißt ein Arbeitnehmer hat durch den Abschluss einer derartigen Versicherung praktisch die doppelte Absicherung, nämlich einmal durch die gesetzliche Unfallversicherung und einmal durch die private Unfallversicherung.

Höhe der Beiträge

Entsprechend den gesetzlichen Vorgaben dürfen die Versicherungsunternehmen nur noch Unisex-Tarife anbieten. Das heißt die Höhe der Beiträge sind unabhängig vom Geschlecht, aber nicht vom Alter und vom Beruf der ausgeübt wird bzw. zu welcher Personengruppe der Versicherte gehört. Zur Gefahrengruppe A gehören die Personen, welche eine kaufmännische oder verwaltende Tätigkeit ausüben. Zur Gefahrengruppe B gehören Personen, deren Beruf es ist handwerkliche Tätigkeiten auszuüben. Zur Gefahrengruppe K gehören Kinder. Entscheidend für die Höhe der Beiträge ist zudem auch der aktuell ausgeübte Beruf und die für den Schadensfall vereinbarte Versicherungssumme und der festgelegte Versicherungsumfang.