21. January 2018

Verkauf von Lebensversicherungen – Auswirkungen auf meinen Vertrag?

In den vergangenen Monaten haben viele große Versicherungsunternehmen zahlreiche alte Lebensversicherungen verkauft, es waren auch sehr renommierte Gesellschaften darunter. Die Verträge wurden zu einer Zeit abgeschlossen, als hohe Überschussbeteiligungen noch ein gutes Lockmittel waren und es eine garantierte Verzinsung von bis zu vier Prozent auf Lebzeiten gab.

Inzwischen müssen Versicherungsunternehmen aber ein sehr hohes Eigenkapital vorweisen können, und die Erwirtschaftung der Zinsen wird durch die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank stark erschwert. Viele kleine Versicherer mussten das Geschäft mit den Lebensversicherungen bereits verkaufen. Mittlerweile gibt es auch finanzstarke Investoren, die an den großen Gesellschaften interessiert sind.

Entstehen Nachteile für die Kunden?

Während die alten Lebensversicherungen für die Gesellschaften eher zum Ballast geworden sind, möchten die Käufer nach der Übernahme natürlich auch einen Gewinn erzielen. In erster Linie sehen sie ihre Vorteile darin, dass die Tarife durch modernste IT-Systeme automatisch bearbeitet werden können. Somit werden die Kosten für den Verwaltungsaufwand wesentlich geringer gehalten.

Letztendlich soll dies dann auch den Kunden zugute kommen. Aus diesem Grund sollten diese sich auch keine Sorgen machen, denn der Verkauf wird auch durch die Finanzaufsicht überwacht. Somit sollten den Kunden auch keinerlei Nachteile durch den Wechsel entstehen. Die angekündigten Garantien müssen auch künftig ausbezahlt werden, und auch die zugesicherten Überschussbeteiligungen müssen garantiert werden.

Wie sieht die Realität nach dem Verkauf der Lebensversicherung aus?

Die Überwachung durch die BAFIN gewährleistet einen gewissen Schutz für die Verbraucher, größere Nachteile müssen also grundsätzlich nicht befürchtet werden. In der Realität kann dies unter Umständen aber durchaus etwas anders aussehen. Die Zinsen sind zwar in voller Höhe garantiert, die Überschussbeteiligung kann jedoch wesentlich geringer ausfallen.

Da Rendite vom Versicherungsunternehmen erwirtschaftet werden müssen, kann deren Höhe ganz unterschiedlich ausfallen. Natürlich ist auch nicht sicher, dass der Service gewohnt zufriedenstellend ist, Kunden müssen also eventuell einen größeren Zeitaufwand in Kauf nehmen. Das kann auch für den Fall gelten, dass man nicht mehr alle Versicherungsverträge bei einem Anbieter hat.

Allerdings muss man auch die Kehrseite der Medaille betrachten, denn schließlich kann die Überschussbeteiligung auch ansteigen. In der Regel sind die Unternehmen auf Lebensversicherungen spezialisiert und arbeiten mit einem geringeren Kostenaufwand.

Welche Möglichkeiten haben Kunden bei einem Verkauf?

Grundsätzlich kann man als Kunde zwischen drei Möglichkeiten wählen. Die meisten lassen ihn zunächst wie gewohnt weiter laufen. Man kann also durchaus in Ruhe abwarten, wie sich die Rendite künftig entwickeln. Kunden können den Vertrag aber auch ruhen lassen, indem vorübergehend keine Beiträge mehr eingezahlt werden.

Schließlich ist natürlich auch eine ordnungsgemäße Kündigung des bestehenden Vertrags möglich. In diesem Fall muss man in der Regel jedoch mit finanzieller Benachteiligung rechnen. Hat der Anbieter nicht auf das Widerrufsrecht hingewiesen, kann die Lebensversicherung auch widerrufen werden, das ist finanziell günstiger als eine Kündigung. Gerade bei Verträgen, die aus den Jahren zwischen 1994 und 2007 stammen, kann eine Rückabwicklung vorgenommen werden, oftmals auch bei neueren Verträgen. Selbstverständlich steht es dem Kunden auch frei, seine Lebensversicherung selbst zu verkaufen, auch dies kann finanzielle Vorteile gegenüber einer Kündigung mit sich bringen.

Zusammengefasst also nochmal die fünf Möglichkeiten beim Verkauf der Lebensversicherung:

  1. Fortführung zu den bekannten Bedingungen
  2. Widerruf
  3. Verkauf von Seiten des Kunden
  4. Einstellung der Beitragszahlungen
  5. Kündigung

Bevor eine endgültige Entscheidung fällt, sollte man verschiedene Kriterien berücksichtigen. Der Kunde sollte auf die Höhe der Verzinsung, die Laufzeit des Vertrags und seine steuerlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse achten. Eventuell kann die Beratung bei einer Verbraucherzentrale hilfreich sein.

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