9. July 2020

Schadenrückruf

Der Schadenrückruf ist ein ernst zunehmendes Phänomen nicht nur in der Autoindustrie. Um wirtschaftlich konkurrenzfähig zu bleiben, werden viele Produkte am Computer entworfen. Nur noch wenige, große Hersteller erlauben sich ein großes Programm, um die Produkte ausreichend im Betriebszustand und unter realen Bedingungen zu testen.
Man spricht bei neu auf den Markt gebrachten und fehleranfälligen Produkten dann auch gerne von Kinderkrankheiten oder Montagsauto. Bei den Schadenrückrufen in der Autoindustrie haben oft kleine Ursachen eine große Wirkung. Bei den Schadenrückrufen sind dann auch ganze Produktionen von mehreren hunderttausend Einheiten betroffen.
Nicht selten sind Bauteile oder Konstruktionen mit einem Defekt verbaut, die sich aber erst nach einer gewissen Laufleistung zeigen. Bei General Motors in den USA gab es einen Defekt im Zündschloss. Die Folge dieses Defekts war, dass die Autos bei voller Fahrt ausgingen und bei einigen Fahrzeugen sich die Lenkradsperre schloss. Es kam zu zahlreichen Unfällen, bei denen 14 Menschen starben. Es wurden 6,4 Millionen Autos zurück gerufen, der Schaden für den Autobauer ist heute noch spürbar. Mit 50 Milliarden hat die Regierung eingegriffen, damit das Unternehmen nicht insolvent wird. Weitere Kosten in Milliardenhöhe erwartet man noch für die kommenden Jahre.
Von Toyota liest man auch oft über Schadenrückrufen. 2014 hat der Konzern ebenfalls 6,4 Millionen Autos zurück gerufen. Grund dafür waren bis zu fünf fehlerhafte Bauteile in unterschiedlichen Baureihen. Die Kosten für das Unternehmen betrugen sind hier auch noch nicht absehbar und werden von dem Konzern nicht veröffentlicht. Für Toyota sind diese Schadenrückrufe ein Beweis für Qualitätssicherung, wenn man sich die offiziellen Begründungen liest.
Die Gründe, warum Bauteile versagen, liegen einfach in der Materialqualität. Für die Serienproduktion werden Massen von Schrauben, Blechen, Kunststoffteile und anderen Bauteilen benötigt. Bei der Produktion dieser Bestandteile wird mit allen Mitteln gespart um die Stückkosten niedrig zu halten. So kommt es vor, dass eine Schraube, die im Einkauf 3 Cent kostet, einen Schaden von mehreren Milliarden verursacht. Gerade bei den japanischen Autokonzernen haben diese häufigen Schadenrückrufe zu einem großen Imageschaden geführt. Nicht zuletzt weil unter anderem Toyota das Ausmaß der Schäden vertuscht. Bricht eine Schraube, mit der die Lenksäule befestigt ist, kann das Fahrzeug nicht mehr unter Kontrolle gehalten werden.
Die Schadenrückrufe kommen aber nicht nur bei ausländischen Autobauern vor. Allen dürfte der Elchtest immer noch ein Begriff sein. 1997 führte der Motorjournalist Robert Collin ein Ausweichmanöver im Rahmen einer Testreihe mit einem Mercedes A-Klasse Modell durch. Die Simulation sollte zeigen, wie sich das Fahrzeug verhält, wenn man einem plötzlich auftauchenden Hindernis ausweichen muss. Das Fahrzeug überschlug sich und blieb auf dem Dach liegen. Mercedes Benz verhängte daraufhin einen Auslieferungsstopp und rief bereits ausgelieferte Fahrzeuge zurück.
Die Fahrzeuge wurden mit anderen Rädern und dem ESP-System nachgerüstet, was die Fahrstabilität elektronisch verbessert. Nachfolgend produzierte Fahrzeuge erhielten das ESP-System standardmäßig verbaut. Wenn der Elchtest auch kein Mangel in der Konstruktion aufgezeigt hat, so wurde dadurch aber ein neuartiges elektronisches System in allen Fahrzeugklasse etabliert. Heute haben alle Neufahrzeuge ESP-Systeme verbaut und machen wie das ABS-System das Fahrverhalten sicherer.

Wenn man als Autobesitzer ein Rückrufschreiben erhält, sollte man daher nicht lange warten, die nächste Vertragswerkstatt aufzusuchen. Die Kosten für Reparatur und Ersatzteile übernimmt der Hersteller. Sollte es sich um einen größeren Schaden handeln und das Fahrzeug länger nicht zur Verfügung stehen, kann man auf Kulanzbasis ein Ersatzfahrzeug hoffen. Einen Rechtsanspruch auf ein Ersatzfahrzeug gibt es aber nicht.
Bekommt man ein Rückrufschreiben, wenn man das Fahrzeug bereits verkauft hat, sollte man den Hersteller über den neuen Besitzer mit Adressenangabe informieren.
Da in vielen Fällen aber nur Bauteile ausgetauscht werden, sind die Arbeiten meist schon in wenigen Stunden erledigt. Hat man einen Schadenrückruf erhalten und das Fahrzeug umrüsten lassen, macht sich das auch beim Wiederverkauf bemerkbar, da der Verkaufswert steigt.

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