2. June 2020

Krankenzusatzversicherung

Für die meisten Krankenversicherten in Deutschland gilt die Pflicht zur Versicherung in der gesetzlichen Krankenkasse. Anders als die privaten Krankenversicherungen bieten die gesetzlichen Kassen keine unterschiedlichen Versicherungsmöglichkeiten. Vielmehr gibt es bestimmte Vorschriften, welche Leistungen von jeder Krankenkasse erbracht werden müssen. Darüber hinaus hat jede Kasse die Möglichkeit, den eigenen Leistungskatalog entsprechend zu erweitern. Allerdings gilt der Leistungskatalog einer Krankenkasse automatisch für alle Mitglieder. Variable Verträge mit einzelnen Zusatzleistungen sieht das normale Krankenkassensystem nicht vor.

 

Das duale Krankenversicherungssystem macht es möglich

Neben der Versicherungspflicht gibt es in Deutschland aber noch eine Besonderheit im Bereich der Krankenversicherungen: das duale Krankenversicherungssystem. Das hat zur Folge, dass jeder gesetzlich Krankenversicherte berechtigt ist, mögliche Lücken in der Versorgung durch eine private Krankenzusatzversicherung zu stopfen. Und so kann die Leistungsvielfalt der privaten Krankenversicherungen auch den gesetzlich versicherten zugute kommen, wenn denn ein entsprechender zusätzlicher Versicherungsvertrag abgeschlossen wird.

Die Krankenzusatzversicherung – was bringt sie überhaupt?

Das schöne an der privaten Krankenversicherung ist, dass man sich hier gegen alles in irgendeiner Form absichern kann. Was auch immer das Problem ist, irgendeine Versicherung wird immer einen Tarif anbieten, der genau diesen Punkt abdeckt. Unabhängig davon gibt es natürlich klassische Zusatzversicherungen, die oft und gern abgeschlossen werden und die zugegebenermaßen auch durchaus Sinn machen, beachtet man die teilweise doch eher mauen Leistungen der Krankenkassen auf diesem Gebiet. Hier ein paar Beispiele:

Zahnzusatzversicherung

Sie sind mit einer einfachen Amalgam-Füllung nicht zufrieden? Kein Wunder gibt es doch nicht wenige Menschen, die der Ansicht sind, dass das Metall im Körper auf die Dauer nicht gut für die Gesundheit sein kann. Die Krankenkassen sehen allerdings keinen Grund, an den festgelegten Leistungen etwas zu ändern. Eine tatsächliche Schädigung der Gesundheit durch besagte Füllungen ist ja auch nicht nachgewiesen. Wer aber dauerhaft Porzellanfüllungen möchte, ohne dafür jedes mal einen Aufpreis zu zahlen, kann hierzu eine Zahnzusatzversicherung abschließen. Der Abschluss einer solchen Versicherung lohnt sich noch mehr, wenn an den Zähnen mal wirklich Handlungsbedarf besteht. Eine Zahnprothese? Brücken? Kronen? Vielleicht sogar ein Teilgebiss? Die Krankenkasse zahlt beileibe nicht mehr das, was sie mal übernommen haben und der Versicherte bleibt oftmals auf einem nicht geringen Anteil der Kosten sitzen. Hiergegen kann man sich mit einer Zahnzusatzversicherung wunderbar absichern.

Brillenversicherung

Er möchte schon immer dieselbe Optik haben und das über Jahre hinweg? Ist es nicht ganz angenehm, wenn man mit gewisser Regelmäßigkeit, auch wenn sich die Dioptrienwerte der Augen nicht verschlechtert haben, eine neue Brille zulegen kann? Abgesehen davon, selbst wenn die Augen schlechter geworden sind, sind die Brillen die auf Rezept und ohne zu zahlenden Eigenanteil ausgegeben werden in der Regel nicht unbedingt das, was man tagtäglich auf der Nase tragen möchte. Es gibt viele mögliche Gründe, aus denen man eine neue Brille kaufen kann. In regelmäßigen Abständen wird eine solche, ohne das irgendwelche Zusatzvoraussetzungen erfüllt sein müssen, von einer Brillenversicherung finanziert. Grund genug einmal über den Abschluss einer solchen nachzudenken.

Chefarztbehandlung/Einzelzimmerbelegung

Eine andere sehr beliebte Versicherung kümmert sich um das Wohl des Patienten im Krankenhaus. Hier kommt die Versicherung für die Unterbringung in einem Einzelzimmer und/oder eine direkte Chefarztbehandlung auf. In Zeiten, in denen zuweilen Dreibettzimmer auch mal mit vier Betten belegt werden, ist das durchaus eine lohnende Zusatzversicherung.

Die Krankenzusatzversicherung – zwei Möglichkeiten zur Auswahl

Generell gilt, bei der Krankenzusatzversicherung mehr noch als bei der gesetzlichen Krankenkasse, dass freie Versicherungswahlrecht. Das heißt, dass jeder selbst entscheiden kann, ob und wenn ja wo, er sich zusätzlich zum normalen Krankenkassenschutz absichern möchte. Im Endeffekt gibt es zwei Möglichkeiten, eine Krankenversicherung für die geplante Krankenzusatzversicherung zu finden. Die erste ist der klassische Vergleich zwischen den verschiedenen Angeboten. Hierfür gibt es zur Unterstützung Tarifvergleichsrechner im Internet oder man klappert wirklich die einzelnen Versicherungen vor Ort ab und lässt sich entsprechende Angebote aushändigen.

Die zweite Alternative, und die spart oftmals noch mal bares Geld, ist der Abschluss einer Versicherung, die von einer Partnerversicherung der eigenen Krankenkasse angeboten wird. Die meisten gesetzlichen Krankenkassen arbeiten mit einer oder mehreren Krankenversicherungen zusammen, um ihren Mitgliedern auf diesem Weg günstige Krankenzusatzversicherungen anbieten zu können. Da hier eine Art Gruppentarif ausgehandelt wurde, ist dieser oftmals günstiger, als wenn man selbst entsprechende Angebote einholt.

Hier ein paar Beispiele für entsprechende Kooperationen zwischen Krankenkassen und privaten Krankenversicherungen:

Die Krankenkasse Barmer GEK hat ein Krankenzusatzversicherungsprogramm zusammen mit der HUK-Coburg aufgelegt. Als Bausteine werden hier der ambulante Zusatzschutz, ein stationärer Zusatzschutz, ein Zusatzschutz für Kinder und Jugendliche, ein Zahnzusatzschutz (auch in einer 60Plus Version), ein Pflege-Zusatzschutz, ein Zusatzschutz zum Thema Sterbegeld und ein Auslandsreise Zusatzschutz angeboten.

Die Techniker Krankenkasse beispielsweise arbeitet mit der ENVIVAS Krankenversicherung AG zusammen. Gemeinsam bieten diese beiden Versicherer auch zehn Tarife aus dem Bereich Krankenzusatzversicherung an.

Letztlich sollte man, bevor man einen anderen Versicherer wählt, einmal die Angebote der eigenen Krankenkasse und ihres Partners durchforsten, denn so kann man in der Regel einiges an Geld sparen.

Die Krankenzusatzversicherung – früher Vogel spart viel Geld

Generell kann man bei der Krankenzusatzversicherung einiges einsparen, wenn man diese frühzeitig abschließt. Denn anders als bei der privaten Krankenversicherung steigen hier die Beiträge mit dem Lebensalter nicht mit. Man verbleibt in der Preisstruktur, in der man bei Vertragsabschluss eingestiegen ist. Je älter man aber bei Vertragsabschluss ist, desto höher ist der Preis für die Versicherung. Deshalb sollte man am besten in jungen Jahren die wichtigsten Versicherungen abschließen. Damit man auch im Alter noch bestens versichert ist und das zu annehmbaren Preisen.

Doch wie findet man nun die richtigen Zusatzversicherungen?

Grundlage für die Auswahl der richtigen Zusatzversicherungen für die persönlichen Bedürfnisse ist, über die in der gesetzlichen Krankenkasse eingeschlossenen Leistungen genau Bescheid zu wissen. Sie sollten sich also zunächst die entsprechenden Versicherungsverträge durchlesen oder aber direkt bei Ihrer Krankenkasse nachfragen, um herauszufinden, welche Leistungen in welchem Umfang bezahlt werden. Hierbei sollten Sie auch nachfragen, in welcher Höhe die Kosten für Zahnarztbehandlungen und Zahnersatz sowie für Brillen und/oder Kontaktlinsen übernommen werden. Wenn Sie zudem auf bestimmte Medikamente angewiesen sind, werden Sie sicherlich schon wissen, ob die Krankenkasse diese bezahlt oder nicht.

Anhand all dieser Informationen können Sie nun errechnen, welche Zusatzversicherungen für Ihre persönlichen Anforderungen nötig sind. Da sich die einzelnen Versicherer oft im Preis deutlich unterscheiden, sollten Sie zunächst verschiedene Anbieter in Betracht ziehen und die einzelnen Beiträge anhand der von Ihnen gewünschten Leistungen ausrechnen. Zu diesem Zweck gibt es im Internet zahlreiche Portale, die komfortable Vergleichsrechner zur Verfügung stellen, mit denen Sie gleich mehrere Versicherungsgesellschaften auf einmal objektiv miteinander vergleichen können.

Hier noch einige Tipps zu besonders sinnvollen Zusatzversicherungen:

Sie kennen von Ihrer gesetzlichen Krankenkasse sicherlich das so genannte Hausarztprinzip (oft auch Primärarztprinzip genannt). Diese Regelung besagt, dass Sie bei allen auftretenden Beschwerden zunächst einen festgelegten Hausarzt aufsuchen sollen. Nur dieser ist anschließend dazu berechtigt, die entsprechenden Überweisungen für weiterführende Behandlungen beziehungsweise Fachärzte auszustellen. Die Sache hat allerdings einen Haken: der Versicherte selbst hat hierbei in der Regel kein Mitspracherecht, er darf also nicht mitbestimmen, von welchem Arzt er weiter behandelt wird. Um dies zu umgehen, gibt es auch dafür inzwischen spezielle Zusatzversicherungen. Sie garantieren dem Versicherten eine freie Arztwahl und übernehmen die kompletten Kosten dafür. Mittlerweile bieten einige Versicherer im Rahmen einer Zusatzversicherung sogar an, das Hausarztprinzip komplett wegfallen zu lassen, so dass der Versicherte von Anfang an selbst entscheiden kann, zu welchem Arzt er mit den jeweiligen Beschwerden geht. Dadurch kann man sich den ersten Gang zum Hausarzt stets sparen.

Sind Sie bereits einmal von der Schulmedizin enttäuscht worden oder vertrauen ihr generell nicht? Dann könnte eine entsprechende Zusatzversicherung für alternative Heilmethoden das Richtige für Sie sein. Diese übernimmt beispielsweise die Kosten für Heilpraktiker, Akupunktur-Behandlungen oder auch homöopathische Medikamente. Solche Leistungen werden in der Regel von der gesetzlichen Krankenversicherung komplett abgelehnt. Durch eine entsprechende Zusatzversicherung ersparen Sie sich hier teils hohe Kosten.

Dies trifft ebenso zu für Menschen, die sich kosmetisch operieren lassen möchten. Wer sich beispielsweise seine Brust vergrößern, die Nase richten oder Fett absaugen lassen will, stößt damit bei einer gesetzlichen Krankenkasse in der Regel auf taube Ohren. Wenn die Kosten überhaupt einmal übernommen werden, muss der Versicherte dafür vorher einen wahren Spießrutenlauf hinlegen. Die meisten Versicherungen fordern psychologische oder auch physische Gutachten, aus denen hervorgeht, dass der kosmetische Eingriffe unbedingt nötig ist. Mit einer entsprechenden Zusatzversicherung sind diese Hürden meist wesentlich niedriger.

Eine Zusatzversicherung bietet sich jedoch nicht nur für rein medizinische Zwecke an. Beispiel Lohnfortzahlung: wer länger als sechs Wochen am Stück krankgeschrieben ist, muss in Kauf nehmen, von seinem Arbeitgeber nicht mehr den kompletten Lohn weitergezahlt zu bekommen. Auch hierfür bieten sich entsprechende Zusatzversicherungen an, die dafür sorgen, dass die finanzielle Lücke, welche durch die fehlende Lohnfortzahlung entsteht, ausgeglichen wird.

Wie Sie an den genannten Beispielen erkannt haben, kommt heute kaum noch ein gesetzlich Krankenversicherter ohne entsprechende Zusatzversicherungen aus. Wichtig ist, das optimale Portfolio an Zusatzversicherungen für die persönlichen Bedürfnisse zusammenzustellen. Nur so ist eine umfassende und günstige medizinische Versorgung möglich.